Gedenkstätte Hadamar
Ein bewegender Besuch

Jedes Jahr findet für die 10. Klassen im Rahmen des Geschichtsunterrichts ein Besuch der Gedenkstätte in Hadamar statt. Sie kann als außerschulischer Lernort angesehen werden, an dem die Schülerinnen und Schüler sich kritisch mit der Geschichte der NS-Zeit auseinandersetzen können. Neben der Vermittlung von historischem Wissen werden sie dort auch dazu ermutigt, sich ein selbstständiges Urteil zu bilden und Fragen für die Gegenwart abzuleiten.


Am Montag, 22.4.2024 fuhr auch ich mit meiner Klasse (10G1) nach Hadamar. Wir wurden von einer freundlichen Mitarbeiterin vor Ort begrüßt, die uns während unseres Aufenthaltes begleitete. Als Einstieg wurden die Schülerinnen und Schüler von ihr aufgefordert, verschiedene Zitate auf einem Zeitstrahl von 1880 bis heute begründet einzuordnen. Sie landeten dabei einige Treffer. Ein Zitat jedoch wurde von der Mitarbeiterin am Ende aus dem Jahr 1940 in das Jahr 2021 verschoben mit dem Hinweis, dass es sich dabei um die Worte einer AfD-Politikerin handelt. Die Tatsache, dass sie heute noch den Wortlaut und das Gedankengut der Nationalsozialisten in ihrer Aussage nutzt, bestürzte einige SchülerInnen und ihre verachtenden Blicke und ihr lautes Gemurmel zeigten schon nach nur einer halben Stunde an diesem denkwürdigen Ort, dass dies ein Tag werden würde, der sie definitiv zum Nachdenken anregt.



Während des darauffolgenden Rundgangs durch die Gedenkstätte zeigte die Mitarbeiterin uns typische Propaganda-Plakate der Zeit und an der 1990 errichteten Gedenkglocke vor dem Gebäude durften wir mit dem lauten Gong der Glocke den Menschen, die in Hadamar getötet wurden, eine Stimme geben. Auch die Erklärungen in der Busgarage im Innenhof der Gedenkstätte zur sogenannten "Aktion T4" und der anschließenden "dezentralen Euthanasie" verfolgten die SchülerInnen mit ernster Aufmerksamkeit. Einigen Schülerinnen und Schülern war es vor allem vor dem Besuch der Kellerräume, in denen die Gaskammer, Standorte der Krematoriumsöfen, der Schleifgang und ein Sezierraum zu sehen sind, sehr mulmig zumute. Das Grauen, das die Menschen damals in genau diesen Räumen erleben mussten, wurde in diesem Moment für uns alle spürbar. Zum Abschluss beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen mit Biografien verschiedener Opfer und an dieser Stelle machte die Erkenntnis, dass auch viele Kinder ermordet wurden, die Schülerinnen und Schüler sprachlos.



In der Reflexionsrunde wurde schnell deutlich, dass der Besuch der Gedenkstätte Hadamar uns alle sehr berührt hat und sicherlich noch eine Weile nachwirken wird.
Ute Koch – Klassenlehrerin 10G1
